Fokus Zeit im Film

Dass wir Filme überhaupt sehen können, liegt an einem optischen Trick, nämlich der zeitlichen Abfolge einzelner Bilder: Ab 24 Bildern pro Sekunde nimmt das Auge nicht mehr die Einzelaufnahmen, sondern eine Bewegung wahr. Zeit macht Film also erst möglich.

Der Film schafft es jedoch nicht nur technisch, Bilder in Bewegung zu bringen, sondern er macht „Zeit“ in ca. 90 Minuten auch inhaltlich immer wieder zum Thema, wenn er zum Beispiel Geschehnisse zeigt, die Wochen, Jahre oder Jahrhunderte umfassen. Damit die Zuschauer/innen immer wissen, zu welchem Zeitpunkt der Film gerade spielt, sind ein kontinuierlicher Schnitt, Bühnenbild und Maske, Dialoge oder Hinweise durch Erzählerstimmen und Schrifteinblendungen von größter Bedeutung.

Mit diesen Methoden, die eigentlich helfen sollen, sich räumlich und zeitlich im Geschehen zurechtzufinden, kann ein Film die Wahrnehmung der Betrachter/innen natürlich auch manipulieren. Gefühle der Desorientierung werden herbeigeführt, wenn einmal nicht die erwarteten Erklärungen gegeben und Erzählstränge in ihrer zeitlichen Abfolge unvorhersehbar und scheinbar willkürlich verknüpft werden. Hier ist es an den Zuschauer/innen, das Geschehen bewusst und aufmerksam zu verfolgen, da die entsprechenden Lücken sich dem/der Betrachter/ in nicht spontan erschließen. Oftmals ist man hier wie ein Detektiv der Wahrheit auf der Spur und versucht, die zeitlichen Abläufe anhand der gegebenen Fakten zu rekonstruieren. Das Filmprogramm gibt in zehn Filmen die Möglichkeit, Zeit im Film in allen Facetten und Erscheinungsformen zu erkunden.


Extras zum Fokus:

Neben einer Reine von Filmgesprächen gibt es auch Programmpunkte, bei denen Schüler/innen selbst aktiv und analytisch tätig werden können. Mehr erfahren >>


Praktische Leitfragen zur Genreanalyse von Filmen:

Welche Rolle spielt Zeit im Film? Welche Zeitspanne bildet der Film ab und wie lange benötigt er dafür in der Echtzeit? Wie schafft es der Film, Zeit zu raffen? Welche Hilfsmittel werden dafür benötigt? Woran ist zu erkennen, zu welcher Zeit die Handlung spielt? Wieso wirken 30 Minuten Film unter Umständen wie eine ganze Stunde oder umgekehrt? Durch welche filmischen Mittel wird ein solches Zeitempfinden hervorgerufen und/oder verstärkt? Was hat es zu bedeuten, wenn die Handlung nicht linear verläuft? Warum finden Rückblenden in der filmischen Erzählung Verwendung? Welche Arten von Rückblenden gibt es? Was passiert zwischen den Schnitten? Welche Handlungen wurden ausgelassen und woher weiß der/die Zuscher/in davon?


Zehn Filme stehen zur Auswahl: 

Im Programm ZEITWECHSEL setzten sich jüngste Zuschauer/innen mit dem Phänomen Zeit auseinander. Die kurzen Filme thematisieren u.a. Weck- und Uhrenmotive sowie Tages- und Jahreszeiten-Wechsel:

Zeitwechsel // ab 6

 

In der Verfilmung des Kinderbuchklassikers MOMO gehen Schüler/innen den inhaltlichen Zeit-Motiven und deren filmischer Umsetzung auf den Grund:

Momo // ab 8

 

DAS GRÜNE WUNDER – UNSER WALD inszeniert die Natur in Zeitdehnung und Zeitraffer und bringt in Sekunden ganze Entwicklungsprozesse zum Vorschein, die sonst unentdeckt bleiben:

Das grüne Wunder – unser Wald // ab 8

 

Mit ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT begeben sich Schüler/innen auf Zeitreise:

Zurück in die Zukunft // ab 12

 

In eine vergangene Zeit reisen Besucher/ innen auch mit dem Filmspecial zum 30-jährigen Jubiläum des Mauerfalls. UNTERNEHMEN GEIGENKASTEN und BALLON führen zurück in das Leben in der DDR:

Unternehmen Geigenkasten // ab 8
 
Ballon // ab 14

 

In einer Zeitschleife gefangen sein oder dieselbe Situation immer wieder erleben? WENN DU STIRBST, ZIEHT DEIN GANZES LEBEN AN DIR VORBEI, SAGEN SIE und der Filmklassiker LOLA RENNT ergründen filmische Wege der Wiederholung:

Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie // ab 14
 
Lola rennt // ab 13

 

Zuletzt spielen MEMENTO und DUNKIRK, zwei Filme von Regisseur Christopher Nolan, auf unterschiedliche Weise mit der Zeitwahrnehmung der Zuschauer/innen:

Memento // ab 16
 
Dunkirk // ab 15