In verschiedenen deutschen Bundesländern könnten Landtagswahlen im September zu drastischen Veränderungen in der Bildungs-, Kultur- und Förderpolitik führen. Dazu gehören etwa Umstrukturierung in Lehrplänen bzgl. Erinnerungskultur, eine stärkere Betonung nationaler Identität sowie die Neuausrichtung oder Kürzungen von Fördermitteln für einzelne Demokratie-, Vielfalt- oder Integrationsprojekte. Diese Entwicklungen werfen grundlegende Fragen über das Selbstverständnis einer demokratischen Gesellschaft auf. Ein Blick in die nationalsozialistische Vergangenheit kann dabei helfen, politische Entwicklungen kritisch zu reflektieren und die Bedeutung von Menschenrechten, demokratischen Werten und gesellschaftlicher Vielfalt im Blick zu behalten.
Die hessischen SchulKinoTage möchten junge Menschen dazu anregen, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen und, vor allem, sie mit der Gegenwart und der eigenen Lebensrealität in Verbindung zu bringen. Um diese Brücke zu schlagen, wird ein kuratiertes Programm aus historischen Archivfilmen und aktuellen Produktionen gezeigt. Ziel ist es, den Jugendlichen durch Filme, mit denen sie in ihrem Alltag nur selten in Berührung kommen, neue Perspektiven zu eröffnen, festgefahrene Denkmuster aufzubrechen und zum Nachdenken anzuregen.
- Zeitraum: 21.9. – 2.10.2026 (vor den hessischen Herbstferien)
- Ort: Kinostandort nach Wahl
- Eintrittspreis: 7 Euro pro Person
- Dauer: gesamter Schulvormittag
- Alter: ab 9. Klasse
- Gruppengröße: Jede Vorstellung ist auf maximal zwei bis drei Klassen begrenzt.
- Programm: Es gibt zwei Filmprogramme zur Auswahl. Es sind keine Einzelbuchungen der Filme möglich. Die Teilnahme an den begleitenden Gesprächen ist verbindlich.
Filmpaket A (enthält folgende drei Filme):
WAHLKAMPF 1932 (LETZTE WAHL) – DE 1932 // 13 Min // R: Ella Bergmann-Michel
DIE TODESMÜHLEN – BRD/USA 1945 // 23 Min // R: Hanuš Burger
DIE WELLE – DE 2008 // 107 Min // R: Dennis Gansel
Themen: (historische) Wahlen // Kriegsfolgen // Holocaust // drittes Reich // Gruppendynamik // Manipulation // Meinungsfreiheit // Gewalt
Das 13-minütige Fragment des Dokumentarfilms WAHLKAMPF 1932 (LETZTE WAHL) eröffnet eine historische Perspektive auf einen Wendepunkt deutscher Demokratiegeschichte. Dem entgegengesetzt wird der re-education Film DIE TODESMÜHLEN, welcher der deutschen Bevölkerung der Nachkriegszeit die Gräuel der Konzentrationslager explizit vor Augen führte. Eine Antwort auf die Fragen, wie es so weit kommen konnte und was daran heute noch aktuell ist, gibt der Spielfilm DIE WELLE. Hier wird am Beispiel eines Schulprojekts deutlich, wie leicht autoritäre Ideen wieder Fuß fassen können.
Das Filmprogramm bietet Anlass, über Demokratie, Erinnerungskultur und die eigene Verantwortung innerhalb der Gesellschaft nachzudenken.
Filmpaket B (enthält folgende drei Filme):
IM OSTEN WAS NEUES – DE 2025 // 86 Min // R: Loraine Blumethal
MIT DER FAUST IN DIE WELT SCHLAGEN – DE 2025 // 111 Min // R: Constanze Klaue
WAHLKAMPF 1932 (LETZTE WAHL) – DE 1932 // 13 Min // R: Ella Bergmann-Michel
Themen: (historische) Wahlen // Radikalisierung // Ostdeutschland // Unzufriedenheit // Migration // Manipulation // Meinungsfreiheit // Gewalt
IM OSTEN WAS NEUES und MIT DER FAUST IN DIE WELT SCHLAGEN betrachten Lebensrealitäten und gesellschaftliche Veränderungen in Ostdeutschland. IM OSTEN WAS NEUES begleitet den ehemaligen Rechtsextremisten Thomas „Eichi“ Eichstätt, der heute eine Fußballmannschaft mit großteils geflüchteten jungen Männern trainiert. Während seine Spieler mit Flucht, Jobsuche und gesellschaftlicher Ausgrenzung kämpfen, setzt Eichi auf Zusammenhalt und Gemeinschaft und sich zugleich mit seiner eigenen Vergangenheit auseinander. MIT DER FAUST IN DIE WELT SCHLAGEN erzählt von den Brüdern Philipp und Tobias, die Anfang der 2000er in der ostdeutschen Provinz aufwachsen. Während ihre Familie zerfällt und Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit und die Folgen der Nachwendezeit ihren Alltag prägen, finden die Brüder über ältere Jugendliche Zugang zu einer rechtsextremen Gruppe.
Der Blick der Spielfilme auf unterschiedliche Generationen und Erfahrungen lädt dazu ein, über Herkunft, Identität und gesellschaftlichen Wandel zu sprechen. Abschließend soll das 13-minütige dokumentarische Fragment WAHLKAMPF 1932 (LETZTE WAHL), das eine historische Perspektive auf einen Wendepunkt deutscher Demokratiegeschichte bietet, eine Brücke zu den aktuellen Wahlen in Ostdeutschland schlagen.
Füllen Sie bei Interesse an einer der Filmpakete das nachfolgende Formular aus. Es lohnt sich, schnell zu sein, denn es können landesweit nur max. sechs Veranstaltungen organisiert werden. Alle Anfragen werden individuell geprüft und bearbeitet.
Hier finden Sie eine Übersicht der aktuell geplanten Veranstaltungen. Da pro Termin bis zu drei Klassen teilnehmen können, sind möglicherweise noch freie Plätze verfügbar. Bei Interesse kontaktieren Sie uns hierzu bitte per E-Mail an hessen@schulkinowochen.de unter Angabe folgender Informationen: Name der Schule, Klassenstufe, Anzahl Schüler*innen, Anzahl Lehrkräfte, Anzahl benötigter Rollstuhlplätze und an welcher Vorstellung Sie Interesse hätten.
Schon geplante Veranstaltungen:
Frankfurt: DFF-Kino im Rahmen des LUCAS Filmfestivals // 1. Oktober // ab 8:45 Uhr // Filmpaket A: WAHLKAMPF 1932 (LETZTE WAHL) – DIE TODESMÜHLEN – DIE WELLE
Im Rahmen der SchulKinoTage findet am 15. September 2026 von 14 – 18 Uhr eine kostenfreie Online-Fortbildung statt. Thema: Extreme Wege: Radikalisierung junger Menschen im Film.
Leoni Heyn, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin im Bereich Terrorismus- und Radikalisierungsforschung am Institut für Sicherheitspolitik der Universität Kiel, sowie Filmvermittler Manuel Föhl geben Einblicke in aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen und stellen geeignete Filme sowie pädagogische Ansätze vor. Die besprochenen Filme werden bei den SchulKinoTagen gezeigt. Auch ohne Teilnahme an den SchulKinoTagen kann die Fortbildung besucht werden.
Anmeldung erfolgt über den Wochenplan der Lehrkäfteakademie Hessen
Sollten Sie Fragen haben, wenden Sie sich gerne an Manuel Föhl // foehl@dff.film
